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Patientensicherheit

Fehler verschlechtern die Prognose von Intensivpatienten


Impact of adverse events on outcomes in intensive care unit patients.

Garrouste Orgeas M, Timsit JF, Soufir L, et al.                                                                                                        Crit Care Med 2008; 36:2041-7

Medical-Surgical ICU, Saint Joseph Hospital Network, Paris, France.


Das Thema Patientensicherheit hat in den letzten Jahren sowohl in der öffentlichen Wahrnehmung als auch im Hinblick auf die wissenschaftliche Aufarbeitung zunehmend an Bedeutung gewonnen. Die Intensivmedizin nimmt in der Frage der Patientensicherheit insofern eine Sonderstellung ein, als die ureigenste Aufgabe der Intensivmedizin in der Betreuung besonders gefährdeter Patienten besteht. Die maximale Sicherheit für einen Patienten unter besonders schwierigen Umständen herzustellen, könnte durchaus als Paradigma der Intensivmedizin gesehen werden. Wieweit dieser Anspruch in der Realität einer äußerst komplexen Situation mit der Betreuung schwerstkranker Patienten unter Einsatz von spezialisierten, aber gleichzeitig multiprofessionellen Teams, sowie hochtechnologischer Verfahren verwirklicht ist, bleibt aber nach wie vor fraglich. So zeigte etwa die multinationale Sentinel Events Evaluation (SEE)-Studie an Intensivstationen eine Rate von 38 kritischen Ereignissen pro 100 Patiententagen bezogen auf die Bereiche Medikamente, Atemweg, Equipment, Katheter/Drains/Zugänge und Handling von Alarmen (Valentin A; Intensive Care Med 2006; 32:1591).

Im Unterschied zur SEE-Studie und vielen anderen Arbeiten zu Fehlern in der Intensivmedizin fokusiert die nun vorliegende Studie von Orgeas und Mitarbeitern ausschließlich auf Ereignisse, die bei einem Patienten einen Schaden (temporär oder permanent) verursacht haben. In die Definition dieser „adverse events“ wurden allerdings nicht nur Ereignisse im Prozessablauf, sondern auch Surrogatparameter, nämlich Intensivstations-assoziierte Infektionen, aufgenommen. In einer Kohorte von 3611 Patienten aus 12 französischen Intensivstationen wurde bei 39% der Patienten zumindest ein Ereignis registriert, im Mittel betrug die Zahl der Ereignisse 2.8 pro Patient. Die häufigsten Ereignisse waren: Nosokomiale Pneumonie (12% aller Patienten), Harnwegsinfekt (9% aller Patienten), positive Blutkultur (7% aller Patienten), ungeplante Extubation (7% aller Patienten), Herzkreislaufstillstand (6% aller Patienten).

Wichtig ist festzuhalten, dass nicht Ereignisse erfasst wurden, die als mögliche Komplikation des Verlaufs einer Erkrankung interpretiert werden konnten, sondern ausschließlich Ereignisse, die mit medizinischen Handlungen verknüpft und unabhängig vom grundlegenden Status des Patienten auftraten. Wieweit hier tatsächlich eine Differenzierung möglich war, ist ein fraglicher Punkt in dieser Studie. In einem komplexen statistischen Verfahren wurde in einem zweiten Schritt der Einfluss der erfassten Ereignisse auf die Krankenhausmortälität berechnet. Dazu wurden jeweils Paare von Patienten aus je einem Überlebenden und einem Verstorbenen nach vordefinierten Kriterien gebildet. Dabei zeigte sich, dass nach entsprechender Berücksichtigung anderer Einflussgrößen drei Typen von nosokomialen Infektionen (positive Blutkultur, Pneumonie, Wundinfektion) und zwei iatrogene Ereignisse (Pneumothorax, gastrointestinale Blutung) mit einem erhöhten Mortalitätsrisiko einhergingen. Das Auftreten eines Pneumothorax nach Setzen eines zentralvenösen Zugangs bzw. nach Punktion der Pleura war etwa mit einer Erhöhung des Risikos, im Krankenhaus zu versterben, auf das 1,7-fache verbunden.

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Tags: intensiv-news patientensicherheit fehler 

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