NEPHRO-News
Hippokrates wird der Lehrsatz zugeschrieben, es sei wichtiger zu wissen,
wer eine Krankheit habe, als den Namen der Krankheit benennen zu
können. Eine möglichst individualisierte Behandlung jedes einzelnen
Kranken wird also schon seit der Antike als Ideal der Pharmakotherapie
angestrebt- zumal, wie Paracelsus betonte, „die Dosis das Gift macht“,
der erwünschte Heilerfolg bekanntermaßen leicht von Nebeneffekten
überlagert wird. Das Konzept der Pharmakogenetik kann man nun mit
einiger Berechtigung als die wissenschaftliche Ausformulierung dieser
beiden, aus medizinischer Vorzeit überlieferten Grundsätze auffassen:
Das individuelle Ansprechen auf eine Arznei hängt von der genetischen
Ausstattung des Patienten ab, welche folglich bei der Dosierung beachtet
werden sollte. Prinzipiell können genetische Faktoren das Erreichen
der angestrebten Wirkstoffkonzentration am Wirkort (Pharmakokinetik)
oder die Interaktion des Wirkstoffs mit dem Zielrezeptor
(Pharmakodynamik) beeinflussen. Beispiele für ersteres sind die
Cytochrom-P450-Enzyme oder auch das MDR1/ABCB1-Genprodukt, das als
Transportprotein1 einen Rücktransport verschiedener Wirkstoffe ins
Darmlumen bewirkt und dadurch eine Absorptionsbarriere errichtet.
Beispiele für letzteres wären die Polymorphismen des kalziumsensitiven
Rezeptors oder der Angiotensinrezeptoren.
Obwohl der Begriff
„Pharmakogenetik“ schon relativ alt ist, kommen wir einer praktischen
Umsetzung erst seit wenigen Jahren allmählich näher. Reinhard J. Haschen
überschreibt bereits 1968 ein Kapitel seines „Lehrbuchs der
Enzymdiagnostik“ mit „Vergiftungen, Pharmakogenetik“ und geht auf die
genetischen Varianten der Cholinesterase ein, welche zu
unterschiedlicher Metabolisierung und damit Wirkdauer von
Succinyldicholin u. a. Muskelrelaxantien führt. Klinisch seit langem
genutzt werden phänotypische Tests, welche genetische Variabilität
abbilden, wie die des AB0-Blutgruppensystems oder die HLA-Antigene.

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