Themen der aktuellen Ausgaben

 

Brauchen wir das tägliche Routine-Thoraxröntgen beim Intensivpatienten?


Abandoning daily routine chest radiography in the intensive care unit: Meta-analysis.

Oba Y, Zaza T                                                                                                                                                                    Radiology 2010; 255:386-95

Division of Pulmonary and Critical Care Medicine, University of Missouri-Columbia, One Hospital Drive, CE 412, Columbia, MO 65212, USA.

PURPOSE: To systematically examine whether abandoning daily routine chest radiography would adversely affect outcomes, such as mortality and length of stay (LOS), and identify a subgroup in which daily routine chest radiography might be beneficial.
MATERIALS AND METHODS: This was a meta-analysis of clinical trials that examined the effect of abandoning daily routine chest radiography in adults in intensive care units (ICUs). Studies were identified through searches of MEDLINE, Cochrane Database, Database of Abstracts of Reviews of Effects, Biological Abstracts, and CINAHL. The results were expressed as odds ratios (ORs) or weighted mean difference (WMD) along with their 95% confidence intervals (CIs).
RESULTS: Eight studies with a total of 7078 patients were identified. A pooled analysis revealed that the elimination of daily routine chest radiography did not affect either hospital or ICU mortality (OR, 1.02; 95% CI: 0.89, 1.17; P = .78 and OR, 0.92; 95% CI: 0.76, 1.11; P = .4, respectively). There was no significant difference in ICU LOS (WMD = 0.19 days; 95% CI: -0.13, 0.51; P = .25), hospital LOS (WMD = -0.29 days; 95% CI: -0.71, 0.13; P = .18), and ventilator days (WMD = 0.33 days; 95% CI: -0.12, 0.78; P = .15) between the on-demand and daily routine groups. Regression analyses failed to identify any subgroup in which performing daily routine chest radiography was beneficial.
CONCLUSION: Systematic but unselective daily routine chest radiography can likely be eliminated without increasing adverse outcomes in adult patients in ICUs. Further studies are necessary to identify the specific patient population that would benefit from daily routine chest radiographs.


Die Durchführung einer täglichen Routine-Thoraxaufnahme bei allen Intensivpatienten hat sich in den letzten Jahrzehnten als allgemeiner Standard etabliert und ist im Ablauf vieler Intensivstationen fest verwurzelt. Die Basis dieses täglichen Thoraxröntgens auf Intensivstationen stellt die Empfehlung des American College of Radiology (ACR) dar, die sich auf mehrere Publikationen aus den 1980-90iger-Jahren stützt (Appropriateness Criteria for Routine Chest Radiograph, siehe www.acr.org/SecondaryMainMenuCategories/quality_safety/app_criteria/pdf/ExpertPanelon ThoracicImaging/RoutineChestRadiographDoc7.aspx) (letzte Fassung 2008).

In diesen Studien wurde eine hohe Inzidenz von neu aufgetretenen oder unerwarteten Veränderungen beschrieben, welche im täglich durchgeführten Routine-Thoraxröntgen gefunden wurden. Nach den Empfehlungen des ACR sollte daher bei allen beatmeten und kardiopulmonal instabilen Patienten zumindest eine tägliche Routine-Thoraxaufnahme durchgeführt werden. Das tägliche Thoraröntgen bei Intensivpatienten wird vielerorts durchgeführt, um unerwartete und relevante Veränderungen, welche der klinischen Detektion entgehen, frühzeitig erkennen zu können. In den letzten Jahren wurden jedoch einige Studien publiziert, welche diese etablierte Routine des täglichen Thoraxröntgens bei allen Intensivpatienten zunehmend kritisch hinterfragen. Rezente Studien fanden eine deutlich niedrigere Inzidenz von wichtigen Veränderungen, welche in weiterer Folge tatsächlich einen direkten Einfluss auf die Behandlung der Intensivpatienten hatten.    
    
In der vorliegenden Metaanalyse von Oba Y und Mitarbeitern wurden die Auswirkungen der Umstellung einer täglichen Routine-Kontrolle auf ein bedarfsorientiertes Schema (Anforderung nur bei klinischer Indikation) untersucht. Insgesamt wurden 8 Studien mit 7078 Patienten dahingehend analysiert, ob durch eine bedarfsorientierte Anforderung („on-demand“) die Letalität (in der Intensivstation bzw. im Spital), Beatmungstage und Spitalsdauer beeinflusst werden.

Zusammenfassend wurde festgestellt, dass durch eine bedarfsorientierte Anforderung weder Letalität noch Beatmungsdauer oder Spitalsdauer von Intensivpatienten signifikant beeinflusst wurden. Es konnte keine Subgruppe identifiziert werden, welche von einem täglichen Routine-Thoraxröntgen profitieren würde.

Melden Sie sich an um weiter zu lesen ...

Tags: intensiv-news kardiologie thorax-röntgen 

© Medicom VerlagsgmbH

 
Medicom

Wir wollen Fachärzte und Pfleger topaktuell und wissenschaftlich fundiert über Studien, fachspezifische Entwicklungen und deren praktische Umsetzung informieren, um sie in ihrer Arbeit und Fortbildung zu unterstützen.

Wählen Sie dazu bitte Ihr Land aus.

  • ÖsterreichÖsterreich
  • ÖsterreichDeutschland
  • ÖsterreichSchweiz
  • ÖsterreichAndere