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Presseinformation Baxter Deutschland GmbH

28. Oktober 2024

 

SPEZIELLE DIALYSELÖSUNGEN IN DER PD – WENIG GLUKOSE, VIELE MÖGLICHKEITEN

Unterschleißheim, 17. Oktober 2024 – Die Peritonealdialyse (PD) stellt eine effektive und sichere Alternative zum Nierenersatzverfahren der Hämodialyse dar.1 Sie bietet zudem zahlreiche Möglichkeiten, das Regime patient:innen-individuell anzupassen – unter anderem durch die Nutzung von speziellen Dialyselösungen. Heutzutage stehen für die Durchführung der PD neben konventionellen, glukosebasierten Lösungen auch icodextrin- und aminosäurehaltige Varianten zur Verfügung. Bei einem Pressebriefing der Baxter Deutschland GmbH im Rahmen der DGfN- Jahrestagung wurde deutlich, inwiefern Patient:innen von dem frühen Einsatz eines glukosesparenden PD-Regimes profitieren können.

„Eine erhöhte Glukosezufuhr kann Hyperglykämie, Dyslipidämie, Hypertension, Insulinresistenz, vaskuläre Kalzifizierung und viszerale Adipositas begünstigen“, führte Dr. Anna Kaczmarek, Baxter Medical Affairs Deutschland, Österreich und Schweiz (DACH), den zyklischen Einfluss und die möglichen Folgen der Glukoseexposition auf das kardiovaskuläre Risiko der Patient:innen auf.2-8 Zudem können Struktur und Funktion der Peritonealmembran beeinträchtigt werden, was wiederum eine Überwässerung nach sich ziehen kann. Patient:innen erhalten dann Lösungen mit höherer Glukosekonzentration und der Zyklus wiederholt sich.

Bei einem reinen glukosebasierten PD-Regime liegt die tägliche Glukoseaufnahme bei durchschnittlich zwischen 100 und 300 Gramm9,10 – die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt maximal 50 Gramm pro Tag.11

Gesundheitliche Vorteile durch glukosesparende PD-Regime

Alternativen zu den glukosehaltigen PD-Lösungen stellen Icodextrin und aminosäurehaltige Lösungen dar. Kaczmarek stellte zwei aktuelle Publikationen vor, die zeigen, inwiefern eine frühzeitige Gabe von Icodextrin für inzidente Patient:innen mit besseren Outcomes einhergehen kann.12,13 Demnach war unter Nutzung von Icodextrin das Mortalitätsrisiko um 38 % geringer, das Risiko für technisches Versagen um 39 % und jenes für die erste Peritonitis sogar um 78 % reduziert.12 Abschließend gab sie einen Überblick über die aktuellen Leitlinienempfehlungen zum Einsatz von glukosefreien PD- Lösungen. Demnach sollte Icodextrin einmal täglich als Alternative zu hypertonen Glukoselösungen für die lange Verweildauer bei unzureichender peritonealer Ultrafiltration eingesetzt werden (Grad 1B).14 Die geringere Netto-Ultrafiltration kann durch die Verwendung von Icodextrin vermieden werden, da dieses den Flüssigkeitsstatus verbessert und die Episoden von Flüssigkeitsüberladung verringert (Grad 1A).15 Eine Anwendung von glukosefreien Lösungen wie Icodextrin oder Aminosäuren wird zudem empfohlen zur Optimierung der Diabeteskontrolle und Glukoseminimierung (Grad 1B).16

Die Verschreibung glukosearmer Therapieregime ist von Beginn der Dialyse an sinnvoll. Häufig wird Icodextrin erst verordnet, wenn Patient:innen Probleme mit einer Volumenüberladung haben. Ein Regime mit niedrigem Glukosegehalt ist jedoch auch äußerst vorteilhaft, bevor diese auftreten; neuere Publikationen zeigen, dass PD-Patient:innen langfristig davon profitieren können.

Früher Einsatz von Icodextrin bei Patient:innen mit und ohne Diabetes sinnvoll


Dr. med. Annette Heider, KfH (Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation e. V.) und Klinikum Neumarkt, führte anschließend mehrere Studien dazu aus, die zeigen, dass glukosesparende Regime PD-Patient:innen mit und ohne Diabetes gleichermaßen zugutekommen können. So lassen sich bei Patient:innen mit Diabetes etwa eine verbesserte Glykämiekontrolle und ein niedrigerer Langzeitglukosewert HbA1c beobachten, während Icodextrin bei Menschen ohne Diabetes unter anderem einen günstigen Einfluss auf Körperfett und -gewicht hat.17,18

Heider ging zudem auf kardiale Effekte ein: So ist Icodextrin assoziiert mit einem geringeren Risiko für neu auftretendes Vorhofflimmern, Schlaganfälle, kongestive Herzinsuffizienz und Mortalität.12,13,19-21 In ihrem Behandlungsalltag, so Heider, würden Icodextrin und ebenfalls glukosefreie Aminosäure- Lösungen aus diesen Gründen von Anfang an und nicht erst beim Auftreten von Komplikationen eingesetzt.

Effektive Ultrafiltration in der langen Verweilzeit

Eine Voraussetzung für die verbesserte Ultrafiltration durch icodextrinhaltige Lösungen sei dabei deren Nutzung im langen Intervall, betonte Heider: „Glukose entwässert schnell, aber nicht anhaltend, während Icodextrin langsam, aber kontinuierlich wirkt.9 Wir nutzen Icodextrin bei der CAPD etwa über Nacht über einen Zeitraum von mindestens 8 bis 10 Stunden.“ Anhand dreier Kasuistiken verdeutlichte sie anschließend, inwiefern bei Patient:innen eine Anpassung von einem glukosebasierten auf ein -sparendes Regime sinnvoll sein kann – etwa im Zuge einer inkrementellen PD bei Vorliegen eines kardiorenalen Syndroms, um eine kardiale Dekompensation zu verhindern, oder bei einer erforderlichen Gewichtsabnahme in Vorbereitung auf eine Transplantation. Dabei könne, unter der Voraussetzung einer guten Clearance-Leistung, eine 7,5 %-ige Icodextrinlösung zwei Glukoselösungen ersetzen und führe zu einer ähnlichen bis höheren Ultrafiltration bei einer höheren Natriumentfernung.22 Zu beachten seien bei einem icodextrinhaltigen Regime das Risiko einer zu starken Ultrafiltration, die zu einer Dehydration führen könne. Auch könne die Amylase falsch niedrig angezeigt und bei Patient:innen mit Diabetes die Blutzuckermessung verfälscht werden. Abschließend ging Heider auf die ebenfalls glukosefreie aminosäurehaltige Lösung ein: „Als phosphatfreie Eiweißergänzung kann diese die Spiegel von Albumin und Gesamteiweiß erhöhen und dazu beitragen, den täglichen Proteinbedarf zu decken – eine gleichzeitige Aufnahme von Kohlenhydraten über die Nahrung vorausgesetzt. Ohne Glukoselast und -Abbauprodukte (GDPs) weist die Aminosäurelösung eine mit einer niedrigprozentigen Standard-Glukoselösung vergleichbare osmotische Kapazität auf.“ Ihr Fazit zum Stellenwert glukosearmer Regime in der PD: „Von einer Glukoseersparnis können alle Patient:innen profitieren – entscheidende Vorteile sind der metabolische Effekt, der Erhalt der peritonealen Membran sowie die Volumen- und Gewichtskontrolle.“

Quelle: „Stellenwert spezieller Dialyselösungen in der PD – Wenig Glukose, viele Möglichkeiten“, Pressebriefing Baxter Deutschland GmbH, 01.10.2024

1. Ohnhäuser T et al. Der Nephrologe 2019;14: 389–392.
2. Kim Y et al. J Ren Nutr. 2013;23(3):218–222.
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11. World Health Organization. News release. Online unter: https://www.who.int/news/item/04-03-2015-who-calls-on- countries-to-reduce-sugars-intake-among-adults-and-children; letzter Abruf: Oktober 2024
12. Wang I-K et al. PLoS ONE 2024;19(3): e0297688.
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16 Woodrow G et al. BMC Nephrol. 2017;18(1):333.
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21. Wang IK et al. Pharmacoepidemiol Drug Saf. 2018;27(4):447–452. 22. Stachowska-Pietka J et al. Front Physiol. 2024;15:1339762.

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