INTENSIV-News
Precision immunotherapy to improve sepsis outcomes: The immunosep randomized clinical trial.
Giamarellos-Bourboulis EJ, Kotsaki A, Kotsamidi I, Efthymiou A, Koutsoukou V, et al.
JAMA 2026; 335(9):775-786
Die Sepsisforschung steht seit Jahren vor einem ungelösten Spannungsfeld
zwischen wachsenden Erkenntnissen über biologische Differenzierung und
weiterhin überwiegend syndrombasierter klinischer Behandlung.
Immunologische, molekulare und klinische Subtypen der Sepsis werden
immer präziser beschrieben (Cajander S; Lancet Respir Med 2024;
12:305).
Die intensivmedizinische Praxis orientiert sich nach wie
vor primär an der syndromischen Definition der Sepsis nach Sepsis-3
(Singer M; JAMA 2016; 315:801). Diese Definition hat zweifellos zur
diagnostischen Klarheit beigetragen und der Immunpathologie ihren lang
verdienten Stellenwert verschafft, beschreibt jedoch bewusst ein
klinisches Syndrom und keine biologisch homogene Erkrankung. Dieses
Dilemma wird durch die kürzlich publizierte randomisierte
ImmunoSep-Studie von Giamarellos-Bourboulis und Mitarbeitenden erneut
deutlich (Giamarellos-Bourboulis EJ; JAMA 2026; 335:775). Hier wurde
erstmals konsequent eine biomarkergeleitete immunmodulatorische Therapie
bei Sepsis untersucht. Die Studie zeigte eine signifikante Verbesserung
der Organdysfunktion unter phänotypbasierter Immuntherapie. Der primäre
Endpunkt – eine Reduktion des mittleren SOFA-Scores um ≥1,4 Punkte bis
Tag 9 – wurde bei 31,4% der behandelten Patienten gegenüber 14,4% unter
Placebo erreicht. Hinweise auf eine immunologische Erholung fanden sich
ebenfalls (siehe Abbildung 1 und 2), während ein signifikanter
Mortalitätsvorteil nach 28 bzw. 90 Tagen nicht nachgewiesen werden
konnte. Die Ergebnisse zeigen Potenzial, markieren aber zugleich klare
Grenzen.
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Tags: intensiv-news intensivmedizin präzisionstherapie sepsis immunosep-studie surrogatparamenter immundysfunktion

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