INTENSIV-News
A randomized controlled trial examining the impact of diversified nursing interventions on the circadian rhythm of sedated critically ill patients.
Zhang M, Shi A, Xia C, Du L, Zheng S, Nan Y, Cheng Z
Front Med (Lausanne) 2026; 12:1655844
Die moderne Intensivversorgung steht für maximale physiologische
Kontrolle. Beatmung, Kreislaufunterstützung, Sedierung, kontinuierliche
Ernährung und engmaschiges Monitoring sichern das Überleben kritisch
kranker Patientinnen und Patienten. Gleichzeitig erzeugt dieses
hochtechnisierte Setting eine Umgebung, die systematisch circadiane
Desynchronisation begünstigt. Permanentes Kunstlicht, nächtliche
Interventionen, Alarmgeräusche, fragmentierte Ruhephasen und fehlende
natürliche Zeitgeber führen regelhaft zu einer Störung des
Tag-Nacht-Rhythmus (Gabor JY; Am J Respir Crit Care Med 2003; 167:708).
Der
circadiane Rhythmus ist dabei weit mehr als ein Randphänomen der
Physiologie. Der etwa 24-stündige endogene Taktgeber wird zentral im
suprachiasmatischen Nukleus des Hypothalamus reguliert und beeinflusst
über neuronale und hormonelle Signalwege zentrale Prozesse des
Organismus. Dazu zählt der Schlaf-Wach-Rhythmus, die Melatonin- und
Cortisolsekretion, die Thermoregulation, metabolische Abläufe sowie
immunologische Funktionen. So lässt sich etwa zeigen, dass circadiane
Stressregime molekulare Uhrmechanismen beeinflussen und zu komplexen
physiologischen Effekten führen können (Nitschke S; The Plant Cell 2016;
28:1616).
Eine stabile circadiane Organisation ist daher eng mit
physiologischer Homöostase verknüpft. Umgekehrt wird eine circadiane
Dysregulation mit Delir, neurokognitiven Störungen, prolongierter
Beatmungsdauer und möglicherweise auch mit ungünstigen Langzeitverläufen
kritisch Kranker in Verbindung gebracht und sollte in Zukunft bei der
Planung von Intensivstationen eine Berücksichtigung finden (Kotfis K;
Crit Care 2022; 26:200).
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Tags: intensiv-news intensivmedizin intensivversorgung chronobiologie homöostase

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