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Presseinformation Swedish Orphan Biovitrum AB (Sobi)

23. Juni 2026

 

ApoC3-Hemmer Tryngolza® (Olezarsen) bewährt sich beim Familiären Chylomikronämie-Syndrom (FCS)

Frankfurt, Mai 2026 – Im Rahmen des Symposiums LipidHorizons 2026* mit zahlreichen Referenten aus unterschiedlichen Fachdisziplinen sowie einer Reihe wissenschaftlicher Poster wurden erste Praxiserfahrungen aus der Behandlung des FCS mit dem neuen Apolipoprotein C3 (ApoC3) -Inhibitor Tryngolza® vorgestellt und mit den Ergebnissen aus dem umfangreichen Studienprogramm abgeglichen. Dabei zeigte Tryngolza® in der Regel eine schnelle und dauerhafte Triglycerid (TG)-Kontrolle. Assoziiert war dies mit einer 88 %-igen Reduktion des Risikos für akute Pankreatitis.1 Zudem resultierte das Leber-Targeting im Vergleich zum Vorgängerpräparat Waylivra® (Volanesorsen) in deutlich verbesserter Verträglichkeit und einem vereinfachten Therapiemanagement.2

Die Therapie des FCS habe in der Vergangenheit eine Herausforderung dargestellt, führte Prof. Erik Stroes, Amsterdam, Leiter der Tryngolza® Zulassungsstudie, aus. Der neue ApoC3-Hemmer sei ein Gamechanger: Er ermöglichte eine deutliche Senkung der TG-Werte und war gleichzeitig mit einer geringeren Inzidenz von Pankreatitiden assoziiert – bei einfacher Anwendung mittels Fertigpen und guter Verträglichkeit.1 Dementsprechend sei es wichtig, Patienten frühzeitig zu diagnostizieren sowie an ein mit der Indikation vertrautes Lipidzentrum zu überweisen – möglichst vor der ersten Pankreatitis.

Neue Perspektiven in verschiedenen Therapiesituationen

Ihre bisherigen Erfahrungen mit Tryngolza® stellten Kollegen anhand diverser Fallbeispiele vor. So kam es etwa bei einem FCS-Patienten von Prof. Michael Leutner, Wien, mit einer chronischen Nierenerkrankung unter Volanesorsen zwar zu einer Reduktion der TG-Werte. Allerdings musste Volanesorsen aufgrund von Thrombozytopenie und einem Anstieg der Transaminasen abgebrochen werden. Unter Tryngolza® konnten die TG-Werte hingegen bei guter Verträglichkeit gesenkt werden. Mehrere Patienten von Dr. Ann Kathrin Berger, Homburg, und von Prof. Martin Clodi, Linz, hatten vor Beginn einer ApoC3- Hemmung unter rezidivierenden Pankreatitiden gelitten. Nach Einleitung der Therapie zunächst mit Waylivra® und späterer Umstellung auf Tryngolza® kam es bei den behandelten Patienten zu deutlich reduzierten TG-Werten und keinen weiteren Pankreatitis-Episoden. Bei einem Patienten von Dr. Irina Müller-Kozarez, Leipzig, standen zusätzlich auch kognitive Einschränkungen im Vordergrund, welche sich unter Tryngolza® deutlich besserten. Zudem betonten die Experten die gute Verträglichkeit und das vereinfachte Therapiemanagement nach Umstellung von Waylivra® auf Tryngolza® Die patientenfreundliche Verabreichung erfolge monatlicher per Fertigpen und ein Monitoring der Leber-, Nieren- und Thrombozytenwerte sei nicht erforderlich.

Die nächste Generation der ApoC3-Hemmung 
Worauf dies zurückzuführen ist, stellte Stroes anhand des Wirkprofils von Olezarsen vor. Tryngolza® ist – wie sein Vorgänger Waylivra® – ein Antisense-Oligonukleotid (ASO) gegen Apolipoprotein C3 (ApoC3), ein starker Inhibitor der Lipoproteinlipase (LPL). Olezarsen besitzt allerdings eine zusätzliche N-Acetyl-D-Galactosamin (GalNAc3) -Konjugierung. Diese führt zu einer zielgerichteteren Aufnahme in die Leberzellen, wo es zum Abbau der APOC3-mRNA kommt.3

Die GalNAc3-Konjugation verbessere die Aufnahme in die Hepatozyten, steigere die Wirksamkeit des Wirkstoffs, sodass eine therapeutische Wirkung bereits bei niedrigeren und selteneren Dosierungen erzielt werden könne und verbessere die Sicherheit und Verträglichkeit,1,4,5 so Stroes.

Gezeigt wurde dies in der doppelblinden, randomisierten Phase-III-Studie Balance, an der 66 Patienten mit genetisch bestätigtem FCS teilnahmen.1 Von diesen erhielten 21 Personen Olezarsen 50 mg, 22 Personen Olezarsen 80 mg und 23 Personen Placebo. Unter Olezarsen traten keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse und weniger unerwünschte Ereignisse als unter Placebo auf. Zusätzlich wurden weder klinisch relevante Thrombozytopenien noch Veränderungen der Leber- und Nierenfunktion beobachtet.

Nach 6 Monaten zeigte sich unter Olezarsen 80 mg eine Placebo-korrigierte TG-Reduktion von -43,5 % (p<0,001), nach 12 Monaten -59,4 %. Der entscheidende klinische Benefit: eine 88%-ige Reduktion der Pankreatitis-Inzidenz gegenüber Placebo innerhalb eines Jahres (gepoolte Auswertung, Hazard Ratio 0,12; 95%-iges Konfidenzintervall 0,02–0,66; Abb. 1).1

Synergie von Ernährungstherapie und ApoC3-Inhibition

Diese therapeutischen Erfolge bedürften jedoch als Basis des Krankheitsmanagements einer konsequenten Ernährungstherapie, betonte Prof. Dr. Stefan Lorkowski, Jena. Denn ohne eine strikt fettarme Diät z.B. durch die Verwendung von MCT (medium-chain triglycerides)-Ölen als Quelle von Fettsäuren, die nicht mittels Chylomikronen transportiert werden, funktioniere eine pharmazeutische FCS-Therapie nur eingeschränkt. Ziel sei, dass es nach dem Essen nicht zu TG-Peaks komme, welche auch unter Medikation erst nach einiger Zeit abfielen. Erst der duale Einsatz aus verminderter TG-Aufnahme über die Nahrung (Diät) und verstärktem Abbau aus dem Blut (ApoC3-Hemmung) führe zu dauerhaft niedrigeren TG-Werten. Ein Ernährungs-Coaching und alltagstaugliche Energie- und nährstoffoptimierte Tagespläne für eine reduzierte Chylomikronen- und VLDL (Very Low Density Lipoprotein)-Bildung6 seien demnach sehr wertvoll für die Einhaltung der indikationsspezifischen Ernährungsempfehlungen7,8 und Senkung der TG-Werte im Alltag.

Hypertriglyceridämie und Pankreatitis: Das unterschätzte Risiko

Dies diene allem voran der Prävention von Pankreatitiden, zeigte Prof. Ahmed Madisch, Hannover, auf. So steigt das Risiko einer akuten Pankreatitis bei TG-Werten ab >880 mg/dl (>10 mmol/l) deutlich an9 und 10 % aller Pankreatitiden sind durch Hypertriglyceridämie bedingt.10 Bei FCS erleidet die Mehrheit (65-90 %) der Patienten im Laufe ihres Lebens eine akute Pankreatitis.9 Zudem verlaufen Hypertriglyceridämie-assoziierte Pankreatitiden (HTG-AP) besonders schwer: Betroffene zeigen im Vergleich zu non-HTG-AP einen erhöhten Schweregrad, deutlich höhere Rezidivraten (bis zu 64,8 % vs. 23,3 %) sowie höhere Sterblichkeitsraten (bis zu 20 % vs. 15,2 %; Abb. 2).11

Jeder Schub bedeute für FCS-Patienten ein unvermindert hohes Risiko von dauerhalten Organschäden und Mortalität, so Madisch. Daher sei jedes vermeidbare Pankreatitis-Ereignis gerade vor dem Hintergrund der neuen Therapiemöglichkeiten eines zu viel, und es sei im Sinne der Rezidivprophylaxe entscheidend, stets die Ursachen einer Pankreatitis abzuklären, schlussfolgerten die Experten in einer Paneldiskussion.

Register CaRe High TG

Förderlich seien dabei auch Registerprojekte, erläuterte Dr. Felix Fath, Mannheim, Projektleiter des CaRe High Registers (https://www.carehigh.de/). In dem Register seien bereits 30 % der in Deutschland diagnostizierten Patienten mit familiärer Hypercholesterinämie eingeschlossen und es soll nun ein weiteres Register für Patienten mit schwerer Hypertriglyceridämie (> 880 mg/dl bzw. > 10 mmol/l) entstehen – CaRe High TG. Urheber von CaRe High und Studienleiter des CaRe High Registers ist Prof. Winfried März, der auch das Konzept zu CaRe High TG entworfen hat. Ziel sei die Ermittlung der Phänotyp-Genotyp-Beziehungen von vier einbezogenen Krankheitsbildern, die alle mit schwerer Hypertriglyceridämie einhergehen können: FCS, multifaktoriell bedingte schwere Hypertriglyceridämie (sHTG), Typ-III-Hyperlipoproteinämie und kombinierte Hyperlipoproteinämie. Bei diesen Erkrankungen sollen Risikofaktoren für akute Pankreatitis identifiziert und die Wirksamkeit von Lebensstilmaßnahmen, konventioneller lipidsenkender Therapie sowie ApoC3-Antisenseoligonukleotiden (im Rahmen der jeweils zugelassenen Indikation) unter Alltagsbedingen erfasst werden. Dabei erfolgt die patientenseitige Datenerfassung über eine CaRe High-App. So seien die Patienten aktiv in den Prozess eingebunden. Durch das Registerprojekt ließe sich nicht nur eine bessere Adhärenz, sondern auch eine höhere Früherkennungsrate von Patienten mit schwerer Hypertriglyceridämie erreichen.

Frühzeitige Diagnose

Die Bedeutung einer frühzeitigen Diagnose von FCS unterstrich auch Prof. Ioanna Gouni-Berthold, Köln, in ihrem Vortrag. Entscheidend dafür sei die routinemäßige Bestimmung der TG-Werte – insbesondere bei Pankreatitiden – und auf Red Flags, wie milchiges Blutplasma, eruptive Xanthome und abdominale Schmerzen,13 zu achten. Hinweise auf FCS wären zudem dauerhaft stark erhöhte TG-Werte > 880 mg/dl (> 10 mmol/l), während diese z.B. bei multifaktoriell bedingter sHTG oft stark schwanken würden und fehlendes bzw. minimales Ansprechen auf klassische lipidsenkende Therapien.14 Bei einem Verdacht wäre der FCS-Score nach Moulin15 sehr hilfreich (Abb. 3), wobei zur Diagnosesicherung13 bzw. als Voraussetzung einer Therapie mit Tryngolza® eine genetische Bestätigung erforderlich ist.

Rolle der ApoC3-Inhibition im sHTG-Management

Bisher ist der Einsatz von ApoC3-Hemmern auf FCS beschränkt.3,17 Die europäische Zulassungsbehörde (EMA) prüft aktuell eine mögliche Indikationserweiterung.18 Dr. Thomas Prohaska, Carlsbad (USA), stellte die hierfür maßgeblichen Studien CORE (n = 617) und CORE2 (n = 446) vor.19 Diese globalen, multizentrischen, randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Phase-III-Studien wurden in Zusammenarbeit mit der TIMI Study Group durchgeführt und schlossen Erwachsene ab 18 Jahren mit TG-Werten ≥ 500 mg/dl (≥ 5,65 mmol/l) ein. Primärer Endpunkt war die prozentuale Veränderung der Nüchtern-TG-Werte nach sechs Monaten im Vergleich zu Placebo.20


Über FCS21,13,22

FCS ist eine seltene, genetisch bedingte Erkrankung, die durch dauerhaft stark erhöhte TG-Werte gekennzeichnet ist (> 880 mg/dl bzw. > 10 mmol/l). Sie wird überwiegend durch eine beeinträchtigte Funktion des Enzyms LPL oder deren Koenzyme bzw. -faktoren verursacht. Dadurch können Menschen mit FCS Chylomikronen, Transport-Lipoproteinpartikel, die zu 90 % aus TG bestehen, nicht effektiv aus dem Blut abbauen. Menschen mit FCS haben ein hohes Risiko für akute Pankreatitis sowie andere chronische Manifestationen wie Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Hepatosplenomegalie und schwere, wiederkehrende Bauchschmerzen.

Über die Balance-Studie1

Balance ist eine internationale, multizentrische, randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Phase-3-Studie zur Beurteilung der Wirksamkeit und Sicherheit von Olezarsen bei Patienten mit FCS über eine Dauer von 12 Monaten. Der primäre Endpunkt ist die prozentuale Senkung der Nüchtern-TG-Werte nach sechs Monaten im Vergleich zu Placebo. Sekundäre Endpunkte umfassen unter anderem die prozentuale Senkung der TG-Werte nach 12 Monaten, die prozentualen Veränderungen anderer Lipidparameter nach sechs und 12 Monaten sowie die Häufigkeit unabhängig beurteilter, akuter Pankreatitis-Ereignisse über den Behandlungszeitraum. Nach dem Ende der doppelblinden, placebokontrollierten Phase konnten die Patienten an einer offenen Verlängerungsstudie teilnehmen, in der Patienten alle vier Wochen Olezarsen erhielten.

Über Tryngolza® (Olezarsen 80 mg)3

Tryngolza® ist ein GalNAc3-konjugiertes Antisense-Oligonukleotid (ASO) der nächsten Generation, das entwickelt wurde, um die Produktion von Apolipoprotein C3 (ApoC3), einem in der Leber produzierten Protein, das ein Schlüsselregulator des TG-Stoffwechsels ist, zu senken. Tryngolza® (Olezarsen 80 mg) ist in der Europäischen Union für Erwachsene mit genetisch bestätigtem FCS – zusätzlich zu einer Diät – zugelassen. Tryngolza® wird einmal monatlich mittels Fertigpen subkutan injiziert.

Über Sobi

Swedish Orphan Biovitrum AB (Sobi) ist ein global agierendes pharmazeutisches Unternehmen, das sich auf die Diagnose und Therapie seltener Erkrankungen spezialisiert hat. Schwerpunkte der Produktentwicklung und des Portfolios bilden die Bereiche Hämophilie, Hämatologie, Immunologie und Stoffwechselerkrankungen. Weltweit beschäftigt Sobi circa 2000 Mitarbeiter. In Deutschland ist das Unternehmen seit 2006 mit der Swedish Orphan Biovitrum GmbH vertreten und hat seinen Hauptsitz in Martinsried (Bayern).

Mehr Informationen über Sobi finden Sie unter www.sobi.com/germany/de.

Die Fachinformation von Tryngolza® finden Sie unter https://www.fachinfo.de/fi/pdf/025512/tryngolza-80-mg

* Sobi Stand-Alone-Symposium „LipidHorizons 2026“ zur Einführung von Tryngolza am 08.-09. Mai in Frankfurt am Main
** Die Verwendung des Sternsymbols (*) bezieht neben weiblichen und männlichen Personen weitere Geschlechtsidentitäten mit ein.

Referenzen
1 Stroes ESG et al. N Engl J Med. 2024; 390(19):1781-1792
2 Soran H et al. Poster at VMAC 2026; 5.-7.2.2026, Cologne
3 Fachinformation Tryngolza® (Olezarsen), Stand: November 2025
4 Crooke ST et al. Nucleic Acid Ther 2019; 29:16-32
5 Brinton EA et al. Atherosclerosis 2025; 403:119114
6 Dawczynski C et al. Mein Kochbuch für die FCS-spezifische Diät. Swedish Orphan Biovitrum 2021. Verfügbar unter: https://www.sobi.com/sites/sobi/files/2023-12/Sobi_Kochbuch_FCS_2700.pdf
7 Williams L et al. J Clin Lipidol 2018; 12(4):908-919
8 Hauner H et al. Aktuel Ernahrungsmed 2019; 44:384-419
9 Javed F et al. J Clin Lipidol. 2025; 19(3):382-403
10 Madisch A et al. Poster #P10-04 at DGIM; 3.-6. Mai 2025, Wiesbaden
11 Lu J et al. BMC Gastroenterol. 2025; 25(1):374
12 Nawaz H et al. Am J Gastroenterol. 2015; 110(10):1497-1503
13 Baass A et al. J Intern Med. 2020; 287(4):340-348
14 Spagnuolo et al. J. Clin. Endocrinol. Metab. 2025, 110, 1158–1165
15 Moulin P et al. Atherosclerosis. 2018; 275:265–72.
16 Bashir, et al. Atherosclerosis 2024; 391 117476
17 Fachinformation Waylivra® (Volanesorsen), Stand: November 2022
18 Pressemitteilung Sobi
19 Marston NA et al. Am Heart J. 2025; 286:125-135
20 Marston NA et al. N Engl J Med. 2026; 29;394(5):429-441
21 Davidson M et al. J Clin Lipidol. 2018;12(4):898-907.e2
22 Hegele RA et al. J Clin Lipidol. 2018; 12(4):920-927.e4

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