ÖSTERREICH 

Grünenthal Ges.m.b.H.

Therapeutische Ansätze bei Schmerz, Delir und Sedierung

 

Strebt man einen aktiven, wachen, angst- und schmerzfreien Patienten an, sind innovative Konzepte gefragt, waren sich die drei Referenten des Grünenthal-Symposiums im Rahmen der heurigen ÖGARI-Jahrestagung einig. Gemeinsames Fazit: Wenn es gelingt, Patienten nach einer Operation rasch von ihren Schmerzen zu befreien, das häufige hypoaktive Delir adäquat zu behandeln und auf unnötig tiefe und lange Sedierung zu verzichten, kann die Mobilisierung und Genesung beschleunigt, die klinische Aufenthaltsdauer verkürzt und die Mortalität verringert werden.

„20-40 Prozent der frisch operierten Patienten leiden unter starken Schmerzen. Dauern sie länger als drei Monate, werden sie als chronisch bezeichnet“, eröffnete ÖGARI-Präsident Univ.-Prof. Dr. Rudolf Likar, MSc., das Symposium. „Postoperative Schmerzen werden unterschätzt. Das müssen wir ändern.“ Ein zentraler Punkt einer effizienten Schmerztherapie sei die aktive Einbindung der Patienten. „Nach der Operation sollte schnellstmöglich von intravenösen auf orale Schmerzmittel umgestiegen werden, die bedarfsorientiert und individuell verabreicht werden. Nicht-invasive patientengesteuerte Systeme (PCA) sind hier eine wertvolle Option.”

Neues PCA-System Zalviso®

Seit kurzem ist das neue Analgesie-Konzept Zalviso® für die Behandlung mäßig starker bis starker postoperativer Schmerzen verfügbar (Abb.).¹ „Zalviso® besteht aus einer Patrone mit 40 Stück 15 μg Sufentanil-Sublingual-Tabletten und einem Applikationsgerät“, erklärt Likar, der das PCA-System inzwischen auf allen chirurgischen Stationen des Klinikums Klagenfurt anwendet. Zalviso® ist vorprogrammiert und durch ein gechiptes Daumenpflaster personalisiert, damit kann nur der Patient selbst es aktivieren. „Fast alle kamen mit der Anwendung gut zurecht und waren zufrieden”, so Likar. „Die Schmerzlinderung war bisher bei allen Patienten sehr gut. Speziell in der Orthopädie hat uns die gute Wirkung überrascht.“

Delir: Therapieansatz Cholinesterase-Hemmer

„Delir betrifft 35-60 Prozent aller intensivmedizinischen und gar 80 Prozent der mechanisch beatmeten Patienten. Trotzdem bleibt es aufgrund seiner Komplexizität vielfach unerkannt”, berichtet Dr. Daniel Csomor, Oberarzt am Landesklinikum Wiener Neustadt. Dies trifft vor allem auf das hypoaktive Delir zu. „Wir antizipieren daher das Delir und beurteilen es mittels der ICDSC (Intensive Care Delirium Screening Checklist)-Skala objektiv.” In der Entstehung eines hypoaktiven Delirs spielt oft ein Mangel an Acetylcholin eine entscheidende Rolle. „Wir können diesen Mangel durch Gabe eines Cholinesterase-Hemmers, wie Physostigmin, ausgleichen”, so Csomor. Physostigmin (Anticholium®) hemmt das Enzym Acetylcholinesterase, wodurch sich die Acetylcholin-Konzentration im synaptischen Spalt erhöht. Es hat eine gute Blut-Hirn-Schranken-Passage und wirkt zentral sowie peripher. „Werden die Patienten wacher, können sie schneller mobilisiert werden und haben eine geringere Mortalität”, weiß der Intensivmediziner.

Der unruhige Patient: Stellenwert der Benzodiazepine


„Wenn wir auf unnötig tiefe und unnötig lange Sedierung verzichten, retten wir Leben”, stellte Priv.-Doz. Dr. Georg-Christian Funk vom Otto-Wagner-Spital in Wien klar fest. Ein intensivmedizinisch behandelter Patient soll wach und aufmerksam (also RASS 0 bis -1), schmerz-, angst- und delirfrei sein, um an seiner Behandlung und Genesung aktiv teilnehmen zu können.² Beim Einsatz von Sedativa ist ein differenziertes Vorgehen angezeigt: Zur Behandlung von Agitationsspitzen beim wachen Patienten dient Dexmedetomidine, während Propofol zur tiefen Sedierung bei erhöhtem Hirndruck oder bei schwerem respiratorischem Versagen verwendet wird. Benzodiazepine haben eine große therapeutische Breite. „Sie werden nicht zur routinemäßigen Anwendung empfohlen, haben aber bei speziellen Indikationen wie akute Angst, Entzug, Krampfanfälle oder prozedurale Amnesie einen wichtigen Stellenwert”, so Funk. Lormetazepam (Sedalor®) etwa hat eine beruhigende und zuverlässig angstlösende Wirkung. „Das mittellang wirksame Benzodiazepin hat den Vorteil, dass es zu 90 Prozent in der Leber glucuronidiert und renal ausgeschieden wird”, erklärt der Internist. „Weiters wird es nicht über Cytochrom P450 verstoffwechselt, wodurch es sehr gut steuersowie kombinierbar und auch bei Patienten mit Organdysfunktionen sicher anwendbar ist.”


Quelle: AIC 2017, Symposium „Schmerz – Delir – Sedierung.
Therapeutische Ansätze und Erfahrungsbeispiele“ der Fa. Grünenthal, 24. Nov. 2017

Referenzen:
1. Fachinformation Zalviso®, Stand 03/2016
2. S3-Leitlinie Analgesie, Sedierung und Delirmanagement in der Intensivmedizin der DGAI und DIVI 2015

 
 
Diese Webseite verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzinformationen

Startseite | Sitemap | Standorte | Kontakt | Impressum| Datenschutz