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Ist die Gabe von Aktivkohle in der klinischen Toxikologie obsolet?


Multiple-dose activated charcoal in acute self-poisoning: A randomised controlled trial.

Eddleston M, Juszczak E, Buckley NA, et al.                                                                                                          Lancet 2008 Feb 16; 371:579-87
 
Centre for Tropical Medicine, Nuffield Department of Clinical Medicine, University of Oxford, Oxford, UK.


Die absorbierenden Eigenschaften der Aktivkohle wurden erstmals 1791 beschrieben und 1813 vom französischen Chemiker Bertrand an Tieren und Menschen untersucht. 1831 demonstrierte der französische Apotheker Touery vor der Academie Francaise in dramatischer Weise die Wirksamkeit der Kohle, indem er diese zugleich mit einer letalen Strychnindosis einnahm. Dennoch fand die Aktivkohle erst 1963 Eingang in die klinische Praxis. Die therapeutische Effizienz der Aktivkohle wurde erstmals in den Jahren 1983 und 1984 mit humanen Experimenten demonstriert und erwies sich den herkömmlichen Methoden der Magenentleerung, wie induzierter Emesis oder Magenspülung, überlegen.    

Der interessanteste Aspekt der Methode ist nicht so sehr die Fähigkeit, die Resorption von Arzneimitteln zu reduzieren, sondern auch deren Ausscheidung zu beschleunigen. Dies basiert einerseits auf einer Reabsorption bereits aufgenommener Substanzen aus dem vaskulären Kompartment in das Darmlumen (Abbildung 1)  und andererseits auf der Unterbrechung des enterohepatischen Kreislaufs bestimmter Substanzen (Abbildung  2), wodurch insgesamt die Arzneimittelclearance gesteigert wird. Diese Eigenschaften werden bei der Methode der sekundären Giftelimination durch „repetitive Aktivkohlegabe“ genützt.

Seit 1994 arbeitet ein wissenschaftliches Team im Rahmen der Europäischen Gesellschaft der Giftinformationszentralen und Klinischen Toxikologen (EAPCCT) und der Amerikanischen Akademie der Klinischen Toxikologie (AACT) an Position Statements zu den verschiedenen Methoden der gastrointestinalen Giftelimination. Dabei kommt der repetitiven Gabe von Aktivkohle und deren Wirksamkeit eine zentrale Bedeutung zu. Die aus der umfangreichen Metaanalyse gewonnenen Schlüsse bilden die Basis für die Empfehlung zur Indikationsstellung dieser Therapieform als aktueller therapeutischer Standard bei Vergiftungen mit verschiedenen Arzneimitteln wie Carbamazepin, Theophyllin, Chinin, Phenobarbital u. a. (Vale JA J  Toxicol Clin Toxicol 1999; 37:731).

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Tags: intensiv-news toxikologie aktivkohle vergiftungen 

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